Dokumentation

Bevor ,sprechendeʻ Navis, Computer und Smartphones unseren Alltag eroberten, war es hauptsächlich die Science-Fiction, die uns eine Vorstellung von der Beschaffenheit künstlicher Stimmen vermittelte. Doch so wenig diese fiktionalen Stimmen neutral gestaltet waren, so wenig sind es die digital generierten Stimmen heutiger Applikationen und Betriebssysteme. Bis jetzt mangelt es jedoch an Untersuchungen, die zugleich theoretische, medienpraktische und kulturübergreifende Aspekte vokaler Designs in IT-Erzeugnissen und den Medien berücksichtigen.

Das Forschungsprojekt „Kulturelle Implikationen medial konstruierter Stimmen“ des Grimme-Forschungskollegs an der Universität zu Köln durchleuchtete mediale Stimmentwürfe dahingehend, welche Sozialvorstellungen ihnen innewohnen. Denn obwohl vielfach alternative Stimmklangmodelle jenseits fixierter Normen genutzt werden könnten, scheint bei Nutzer*innen der Wunsch nach normativen Vokalitäten vorzuherrschen. Bedarf die sprachbasierte Mensch-Maschine-Kommunikation hergebrachter, vertrauter kultureller Normen, und geraten dabei andere, diversere Optionen aus dem Blick?

Auch die Möglichkeiten und Auswirkungen der Stimmveränderung in der Musik und anderen Künsten im digitalen Zeitalter wurden genauer betrachtet. Schließlich spielten medienhistorische Zusammenhänge eine Rolle: Wann und wie kam es erstmals zur Vermenschlichung künstlicher Stimmen? Wie wandelte sich die stimmliche Konstruktion sozialer, ethnischer und geschlechtsbezogener Rollenbilder im Lauf der Mediengeschichte?

Band 7 der „Schriftenreihe zur digitalen Gesellschaft NRW“ greift wesentliche Aspekte des Forschungsprojektes auf. Der Sammelband wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2021 im kopaed-Verlag erscheinen und an dieser Stelle zum Download zur Verfügung gestellt werden.

Enthaltene Fachbeiträge und Interviews:

Dr. Christine Bauer (Utrecht University)
Dr. Johanna Devaney (Brooklyn College)
Constructing Gender in Audio: Exploring how the curation of the voice in music and speech influences our conception of gender identity

Prof. Marc Böhlen (University at Buffalo)
The Making of Fake Voices

Prof. Dr. Oksana Bulgakowa (em.) (Johannes Gutenberg-Universität Mainz)
Authentizität, Individualität, künstliche Konstruktion: Film auf der Suche nach seiner Stimme

Lílian Campesato (University of São Paulo)
Fernando Iazzetta (University of São Paulo)
Voice as a Resonance of Listening

Dr. Laura Dreessen im Interview mit Katharina Makosch
Die derzeitige Voice-Technologie-Branche aus Sicht einer Linguistin

Malte Kobel M.A. (Kingston University London)
Künstliche Stimme/n in der Musik von Kate Bush

Prof. Dr. Doris Kolesch (Freie Universität Berlin) im Interview mit Marcus Erbe
Stimme im Wandel: Postpandemisches Theater und Mediatisierung

Prof. Katherine Meizel (Bowling Green State University)
Voice and the Selfs of Technology

Prof. Dumisani Moyo (North West University, South Africa)
Kundai Moyo B.A. (University of Johannesburg)
Power, Endurance and the Significance of Radio Voice in Africa in the Age of Rapid Technological Change

Stefanie Ray im Interview mit Katharina Makosch
Die Persönlichkeit der deutschen Alexa

Colleen Sanders im Interview mit Aycha Riffi und Judith Kirberger
„Wir transportieren Emotionen“